Fukushima Giftanschlag Komplex

Als der Tsunami 2011 das AKW in Fukushima havarieren ließ befand ich mich ebenfalls in einer dramatischen Lebenslage. Das Abitur war durch, erfolgreich und ich begann im September 2010 mein Studium, Bioinformatik an der FU Berlin. Das war eine ziemliche Herrausvorderung und ich hatte mit dem Wegfall des Abiturumfeldes zu kämpfen. Einer meiner Mitbewohner war ausgezogen und ich fühlte das ich mich auf einen Abgrund zu bewegte, nicht das das Studium das Problem war. Ob ich das erfolgreich absolvierte oder nicht war vollkommen irrelevant. Aber irgendwas in mir erinnerte sich an meine Prophezeiung bezüglich der kommenden Fukushima Kathastrophe. Es war während des AbiturBrainstorming. Mir kamen mehrere Prophezeiungen, Fukushima, der SyrienKrieg, Krieg in der Ostukraine und noch ein paar andere. Naturkathastrophen in erster Linie, Hurricane in der Karibik bzw. den USA. Aus heutiger Sicht schwer einzuschätzen ob die Naturkathastrophen wirklich so schwer waren oder es mir durch die Wahrnehmung in den Medien nur so vorkam. Jedenfalls war die Lage schwierig. Ich wachte eines Morgens auf und hatte einen nicht zu definierenden Einstich im linken Armgelenk, wie von einer Spritze. Eine gewisse Paranoia stzte sich in meinen Gedanken fest. Ein neuer Mitbewohner zog bei mir ein, er studierte auch Biochemie aber an der Potsdamer Universität. Dann bekam ich das Angebot in eine andere WG einzuziehen, die Dinge verschwammen. Das war nur ein paar hundert Meter von meiner alten Wohnung entfernt an der es eigentlich nichts auszusetzen gab, Lage direckt am Park, nähe bhf Charlotenhof.

Die neue Wohnung war noch etwas besser, größer. Ich war in einer allgemein aufgelösten Stimmung keine Ahnung ob das Stress war oder Angst. Keine Ahnung.

Zeitpunkt: Ein paar Tage vor dem Tsunami.

Und dann geschah es: Meine Wahrnehmung veränderte sich. Irgendwie kam mir die Welt weit weg vor und das Verhalten der Leute um mich herum fremd. Ich fühlte mich etwas betäubt. Ein Bekannter fuhr mit mir und einer Freundin aus der Stadt raus. Wir kämpten an einem kleinen Teich ein paar Bahnstationen außerhalb der Stadt. Ich erinnere mich wie sich eine andere Bekannnte von mir verabschiedete, zumindest kam es mir so vor. Wir umarmten uns kurz am Hbf dann fuhr ich mit Floh raus aus der Stadt. Die Szenerie kam mir lächerlich, surreal ziemlich schräg und beängstigend zugleich vor. Es war als würde ich mich aus dritter Person selbst beobachten. Wir kämpten eine Nacht. Am nächsten morgen war ich dann innerlich überzeugt. „Es wird Krieg geben.“ Es ging zurück in die Stadt. Ich war für ein paar Tage schlaflos und zugleich schwer deprimiert. Ich hielt es einfach nicht aus. Die nächsten zwei Nächte verbrachte ich auch draussen, mir war die Nacht zu langweilig. Ich schlief im Regen unter ein paar Bäumen. Rauchte Grass um runterzukommen. Alles war viel intensiver als sonst. Und dann geschah es: Am morgen kehrte ich nach Potsdam zurück. Ging in einen Zeitungsladen und sah die Schlagzeile. Reaktorkathastrophe in Fukushima. Tausende Tote.

Ich drehte mir eine Zigarette und rauchte sie vor dem Geschäft stehend. Die Schlagzeile lesend.

Dann, Panik. Se nahm in den nächsten Tagen und Wochen zu. Ich war wie betäubt und zog in meine alte WG zurück, fluchtartig. Dann Leere, immer mehr Leute zogen sich aus meinem Leben zurück, kam mir jedenfalls so vor. Dann, ich zog mich von der Uni zurück, exmatrikulierte, der Sommer kam, ging vorbei und der Herbst nahte. Ich brach meine Zelte in Potsdam ab, verließ die Stadt und zog erstmal wieder aufs Land. Den Schock, den Trip verarbeiten, abstand gewinnen während mich die Ereignisse des Gegenwartsgeschehens verfolgten. Erst Fukushima, dann Syrie und Ostukraine, Hurricane. Ich beobachtete alles im Fernsehen, wenn ich mal Fernsehen sah. Zum Glück habe ich keinen. Ich war unglaublich sensibilisiert. Das Fernsehen kam mir riesig vor. Angst vor der Welt um mich rum. Warte hallen in meinem Kopf wieder und jedes Wort, jede Nachricht die ich höre ergibt einen Ozean von Sinn, unendlich viele Möglichkeiten. Dinge drehen sich um Menschen kommen mir feindlich vor, sagt jemand etwas zu mir dreht sich der Sinn in meinem Kopf ins Gegenteil.

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