High Times

Es war die bisher schwerste Entscheidung in meinem Leben.

Bevor ich nach Potsdam zog um dort mein Abitur zu machen musste ich mich mit der Tatsache abfinden das diese Entscheidung eine unausweichliche Konsequenz nach sich zog. Ich würde nicht darum herum kommen eine Erfahrung schwerer Drogensucht zu machen. Gut, es handelte sich letztlich nur um Gras aber dennoch: Das Wissen um die Tatsache das ein Konflikt mit diese Droge unausweichlich war machte es für mich nicht leicht mich für diesen Umzug zu entscheiden. Der Grund für diese Entscheidung war eben auch nicht in erster Linie das Abitur oder das angestrebte Medien/Firmen Brainstorming sondern die Vision die mich während meines Zivildienstes ereilte und die darauf hinwies das während des Abitur das noch fehlende Teil für die Fukushimavorhersehung an seinen Platz fallen würde. Es fehlte nur noch das Datum, der Ort der Katastrophe war mir schon in den Jahren um den Zivildienst in den Sinn gekommen. Es gab also nur einen Grund diesen Konflikt auf mich zu nehmen und das war letztlich die Chance darauf durch Vorhersehung des Datums die Möglichkeit zu schaffen den dort lebenden Menschen zu helfen. (Ich wollte erst schreiben „die dort lebenden Menschen zu retten“ aber „retten“ kam mir irgendwie lächerlich vor)

Wer die Berichterstattung in den Medien verfolgt hat weiß, man hat sich anders entschieden. Die Bewohner der Region um Fukushima wurden geopfert.

Wie dem auch sei, für mich war die Zeit vor dem Medien/Firmen Brainstorming eine Zeit widersprüchlichster Gefühle. Auf der einen Seite die Vorfreude und Aufregung die aus der Aussicht auf das Medien/Firmen Brainstorming und das Abitur resultierte und die zu diesem Zeitpunkt, zumindest emotional noch vorhandene Hoffnung, im Anschluss an das Abitur mit in die Gründung der Unternehmen ein zu steigen die aus dem Brainstorming resultierten. Allen voran der Kochbox Versender HelloFresh.

Auf der anderen Seite der Druck der aus dem Wissen resultierte das ich mich auf eine größere Katastrophe zu bewegte und das es eben nicht sicher war ob die Leute die jenseits meines Horizontes in das Projekt involviert waren und sind diese Information nutzen würden um den Japanern zu helfen die Katastrophe zu überstehen oder sogar abzuwenden. Ich muss rückblickend sagen das der Druck und die Anspannung die sich im Vorfeld des Brainstormings aufbaute enorm war. Auch einer der Gründe warum ich in dieser Zeit kiffte bis zum umfallen und das war tatsächlich ein Problem auch wenn die relativ leichte Verfügbarkeit der Droge inszeniert war und einem destruktivem Zweck diente. Es ist mir zur damaligen Zeit aufgefallen das Gras für mich verhältnismäßig leicht zu besorgen war und in meinem Umfeld relativ präsent war. Ein Zustand der in Deutschland nicht unbedingt normal ist. Ich habe dieser Tatsache damals aber nicht zu viel Aufmerksamkeit gewidmet zum einen, weil ich das Gras sowieso nicht übermäßig mochte, es diente eher dem Zweck einer unnötigen Selbstmedikamentation und zum anderen weil es einfach nicht anders ging.

Ich war immer noch von einer tiefen Traurigkeit durchdrungen die aus den Ereignissen um den 09/11 Vorfall resultierten und ich war einfach nicht stark genug diesen Schmerz zu verarbeiten und gleichzeitig das Gesamtprojekt weiter zu verfolgen. Es lief also darauf hinaus das Abitur high durch zu ziehen. Das war für mich nicht unbedingt ein großes Problem aber es belastete meine Stimmung und schränkte außerdem meine Fähigkeit ein mich auf die Zeit nach dem Abitur vor zu bereiten. Dazu kam die Tatsache das das Gras in seiner Wirkung ziemlich stark war, es war zwar nicht sehr betäubend sondern eher anregend und die Kreativität fördernd aber im Zusammenhang mit meinen starken Kaffee und Tabakkonsum auch recht belastend für die Psyche. Paranoia und Wahnvorstellungen war recht ausgeprägt. Ich hatte teilweise wirklich ernsthaft mit den Dingen zu kämpfen. Dazu kam das ich mir recht kurz vor dem Brainstorming, ich hatte den Tag relativ genau vorher festgelegt, auf einem Festival noch etwas LSD rein gezogen hatte. Zum ersten Mal. Zumindest sollte es LSD sein, ob es das war kann ich nicht sagen da ich weder die Wirkung aus voran gegangenen Erfahrungen kannte noch diese Erfahrung wiederholt habe.

Allerdings kann ich behaupten das das Medien/Firmen Brainstorming ein voller Erfolg war auch wenn es deutlich über das von mir angestrebte Ziel hinaus ging. Was kein Erfolg war waren die weiteren Lebensumstände, u.a. der Kampf den ich mit mir führen musste um wieder ohne Gras klar zu kommen und das Verarbeiten der Folgen des Fukushima Giftanschlages sowie die Tatsache das ich weder von den Medien noch von den Firmenprojekten profitierte, zumindest bis jetzt nicht. Und ich muss mir auch ehrlich eingestehen, dieser Kampf ist noch nicht gewonnen! Eine Schlacht die immer noch tobt und mich immer wieder vor Herausforderungen stellt.